Green-Lady
Geheime Welt Idhún von Laura Gallego Gracía

Kapitel 1: Jack (Vortsetzung)

Auf den ersten Blick wirkte alles normal. Im Wohnzimmer brannte Licht und man hörte das gedämpfte Murmeln des Fernsehers. Aber etwas Seltsames lag in der Luft.
Zitternd betrat er das Wohnzimmer. Sein Vater saß mit dem Rücken zu ihm auf dem Sofa vor dem Fernseher. Jack konnte nur seinen Kopf sehen, der zurückgelhent war.
"Papa?"
Er antwortete nicht. Im Fernsehen lief irgendeine schlechte Vorabendserie und Jack redete sich verzweifelt ein, dass sein Vater dabei eingeschlafen war. Er ging um das Sofa herum und zögerte, bevor er seinem Vater ins Gesicht sah. Reglos und bleich saß er da, seine Augen, weit aufgerissen, starrten ins Leere. Jack kannte weder Blut noch sonst irgend ein Zeichen von GEwalt entdecken, aber er wusste instinktiv, dass sein Vater tot war.
Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen und mit ihr sein Herz. Doch gleich darauf geriet die Welt um ihn herum ins Wanken und begann sich in Schwindel erregendem Tempo zu drehen. Er stürzte aus seinen Vater zu, schüttelte ihn heftig, und versuchte ihm eine Reaktion zu entlocken. Im Grunde wusste er, dass es sinnlos war, aber er wollte es einfach nicht wahrhaben.
"Papa! Papa, bitte wach auf ...!"
Seine Stimme kippte in fassungsloses schluchzen um. 'Vielleicht', dachte er plötzliche, 'ist es noch garn icht zu spät. Ich muss nur einen Arzt rufen und dann ...' Er lief zum Telefon und nahm den Hörer ab, doch die Leitung war tot. Wütend und verzweifelt knallte Jack den Hörer auf die Gabel. Wo steckte bloß seine Mutter? Mit dem Ärmel des Pullovers wischte er sich die Tränen ab, drehte sich um und hastete die treppe hinauf.
"Mama!", schrie er. "Mama komm schnell runter und bring das Handy mit!"
Er blieb an einer Stufe hängen, fiell auf die Knie, rappelte sich wieder auf und rannte weiter.
"Mama!!"
Abrupt blieb er stehen, denn am anderen Ende des Flurs konnte er eine Gestalt erkennen. Doch es war nicht seine Mutter, sondern ein Mann mit haselnussbraunen Augen und feinen Gesichtszügen, aber harter Miene. Er trug einen langen Umhang, hatte dunkles lockiges Haar und starrte ihn spöttisch an.
"WEr sind Sie?", fragte Jack verwirrt, doch plötzlich stutzte er. Auf dem Parkett, zu Füßen des Mannes, lag ein regloses Bündel. Jack bekam weiche Knie und musste sich an der Wand abstützen.
Das Bündel auf dem Boden war seine Mutter, bleich, das Gesicht zu ihm gewandt, mit offenen Augen. Jack spürte, wie ihm schlecht wurde. Das konnte alles einfach nicht wahr sein ... Doch es gab keinen Zweifel. Der Blick seine Mutter war leer, ausdruckslos. Ihre Augen waren tot.
"Mama!!!", schrie Jack außer sich. Er rannte auf sie zu ohne sich um den Mann mit dem Umhang zu kümmern.
Nun ging alles blitzschnell. der Unbekannte schrie etwas in einer Sprache, die Jack nicht verstand, die ihm jedoch irgendwie vertraut vorka,. Gleich darauf schlug ihm etwas hart gegen die Brust, nahm ihm den Atem und schleuderte ihn gegen die Wand. Jack schüttelte benommen den Kopf und rang nach Luft. Er hatte keine Ahnung, was ihn da getroffen hatte, dachte aber auch nicht weiter darüber nach. Der Aufprall hatte ihn in die Wirklichkeit zurückgeholt.
13.5.06 16:56
 


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